Nach 1499 änderte sich die Funktion der Küssaburg erneut: Bauernaufstand, österreichischer Festungsausbau, Zerstörung, Verfall und schließlich Denkmalpflege prägten die letzten fünf Jahrhunderte.
1524–1525 · Der Bauernkrieg
Der Bauernkrieg erreichte den Klettgau nicht nur als religiöse oder soziale Bewegung, sondern als konkreten Konflikt um Abgaben, Dienste und Herrschaftsrechte. Die Klettgauer Bauern formulierten Beschwerden in 44 Artikeln. Im Juni 1525 erklärten sie gegenüber dem Vogt, sie seien durch das Schloss „größlich beschwert“.
Die Küssaburg wurde 1525 mehrfach bedroht beziehungsweise belagert. Ein Teil der Vorburg wurde beschädigt. Die Bauern konnten die Hauptburg jedoch nicht dauerhaft einnehmen. Nach der militärischen Niederlage bei Grießen am 4. November 1525 wurden harte Straf- und Unterwerfungsbestimmungen verhängt. Einzelheiten zu Opferzahlen und Hinrichtungen stammen aus unterschiedlich bewerteten Chroniken und werden deshalb nicht als exakt gesicherte Zahlen präsentiert.
Landkreis Waldshut · Geschichte der Küssaburg
1523–1530 · Aus Burg wird Festung
Der Ausbau begann nicht erst nach dem Ende der Kämpfe. Bereits 1523 unterstützte Erzherzog Ferdinand I. Graf Rudolf V. von Sulz finanziell beim Ausbau von Küssaburg und Vaduz. Dafür sollten die Festungen für kaiserliche Truppen offenstehen.
Ab 1529 wurde die Anlage mit österreichischer Hilfe verstärkt. Aus der mittelalterlichen Burg entstand eine frühneuzeitliche Geschützfestung mit modernisierten Mauern, Toranlagen und Batterien. Eine Darstellung von etwa 1515 im ehemaligen Kloster St. Georgen in Stein am Rhein ist die älteste bekannte zeitgenössische Ansicht der Burg – noch vor dem großen Festungsausbau.
Die Datierung und der Zusammenhang von Bauernkrieg und Ausbau werden zusammengefasst beim Landkreis Waldshut und in der historischen Darstellung.
1618–1634 · Die Festung im großen Krieg
Im Dreißigjährigen Krieg verlor die Küssaburg ihre frühere Sicherheit. Die Region am Hochrhein wurde zum Durchzugs- und Operationsraum wechselnder Heere. 1633 und Anfang 1634 wechselten Besatzungen und Einflusslagen; die Burg war als Stützpunkt weiterhin wertvoll, konnte aber den großräumigen militärischen Entwicklungen nicht mehr dauerhaft standhalten.
Am 8. März 1634 wurde die Anlage durch Brand und Zerstörung dauerhaft zur Ruine. Die verbreitete Erklärung lautet, dass die kaiserliche Besatzung die Burg beim Herannahen schwedischer Truppen selbst zerstörte. Der Brand ist sicher überliefert; der konkrete Anlass und die später ausgeschmückte Panikgeschichte sind quellenkritisch vorsichtiger zu beurteilen.
Offizielle Landkreis-Darstellung · Quellenkritische Einordnung
1664–1855 · Vom Kriegsort zum Steinbruch
Nach der Zerstörung wurde die Festung nicht wieder aufgebaut. Ein Bergsturz am 25. Dezember 1664 ist überliefert; dass er die Burg selbst maßgeblich zerstörte, ist jedoch nicht sicher nachgewiesen. Der weitere Verfall wurde durch fehlende Instandhaltung und die Entnahme von Baumaterial verstärkt.
Erst im 19. Jahrhundert änderte sich die Wahrnehmung: Die Ruine wurde nicht mehr nur als Steinbruch, sondern als geschichtliches Denkmal und Ausflugsziel betrachtet. 1855 wurden erste staatliche Sicherungs- und Erschließungsmaßnahmen veranlasst.
Geschichte der Küssaburg – Verfall und Denkmalpflege
1896–heute · Archäologie und Erinnerung
1896/97 fanden erste systematische Grabungen statt. Zwischen 1933 und 1939 wurde die Anlage unter Regierungsbaurat Siebold großflächig freigelegt; dabei wurden ungefähr 4.500 Kubikmeter Schutt entfernt. Entdeckt wurden unter anderem Mauerzüge, Tor- und Küchenbereiche, Zisterne, Waffen, Beschläge, Münzen und Dachziegel.
1978 kaufte der Landkreis Waldshut die Küssaburg für 2.191,50 DM. Der Küssaburgbund unterstützt seither ehrenamtlich die Denkmalpflege. Heute ist die Ruine Aussichtspunkt, Lernort, Wanderziel und digital über einen virtuellen Rundgang zugänglich.
Landkreis Waldshut: Führungen, Besitz und heutige Nutzung
Der Bergsturz von 1664
Ein Bergsturz am 25. Dezember 1664 ist überliefert. Nicht sicher belegt ist jedoch, dass er die Burg selbst maßgeblich zerstörte. Der weitere Verfall hängt nach der Forschung vor allem mit Brand, Aufgabe und der späteren Entnahme von Baumaterial zusammen.
Diese vorsichtige Formulierung folgt der quellenkritischen Darstellung in Geschichte der Küssaburg.